Meilenstein für die hausärztliche Versorgung: KoStA zertifiziert Klinikum Freising für den Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin
Mittwoch 8. 7. 8. Jul 2026
Klinikum Freising und niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte bündeln ihre Kräfte für die Ausbildung der Landärzte von morgen
Die medizinische Versorgung der Zukunft wird nicht irgendwo entschieden – sie wird vor Ort gestaltet. Genau dieses Signal ging heute vom Klinikum Freising aus: Die Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin (KoStA) hat dem Klinikum offiziell die Teilnahme am Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Freising zertifiziert. Damit stellt sich die Region der wohl drängendsten Frage des Gesundheitswesens – wer versorgt uns morgen? – mit einer klaren Antwort: gemeinsam ausgebildete, exzellent qualifizierte Hausärztinnen und Hausärzte aus der eigenen Region.
Ein Nachmittag mit Signalwirkung
Den Auftakt der feierlichen Zertifizierungsveranstaltung, die heute im großen Bärensaal des Klinikums Freising stattfand, machte Landrätin Susanne Hoyer. In ihrer Ansprache verdeutlichte sie, wie wichtig und notwendig dieser Baustein für die Versorgung der Landkreisbevölkerung ist – und dass sie alle Bemühungen diesbezüglich unterstützt, um eine sichere, kompetente und ausreichende medizinische Versorgung heute wie morgen sicherzustellen.
Anschließend führten Frau Dr. med. Jessica Bungartz-Çatak, Leiterin des Weiterbildungsverbunds Freising und Hausärztin in Freising, und Frau Dr. Cornelia Dodeller, Kommissarische Leiterin der Koordinierungsstelle, durch den Nachmittag. Gemeinsam mit dem Ärztlichen Direktor PD Dr. Markus Neumaier machten sie deutlich, welches Potenzial in der strukturierten Verzahnung von Klinik und Praxis steckt: Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung durchlaufen künftig einen nahtlos organisierten Weg – von der stationären Ausbildung im Klinikum bis zur ambulanten Weiterbildung in den Hausarztpraxen der Region.
Das Interesse war groß: Neben der Geschäftsführung des Klinikums, der gesamten chefärztlichen Riege, der Personalleitung und dem Pflegedirektor folgten auch zahlreiche geladene Hausärztinnen und Hausärzte aus Freising und Umgebung der Einladung – ein starkes Zeichen für den Schulterschluss zwischen stationärer und ambulanter Medizin.

(v.l.n.r.: Leiterin des Weiterbildungsverbunds Freising Dr. med. Jessica Bungartz-Çatak, Klinikums-Geschäftsführerin Dipl.-Kffr. Maren Höntzsch, Landrätin Susanne Hoyer)
Warum der Verbund so wichtig ist
Der Hausärztemangel ist längst kein abstraktes Szenario mehr. Viele Praxen suchen händeringend Nachfolgerinnen und Nachfolger, während junge Medizinerinnen und Mediziner sich verlässliche, gut strukturierte Weiterbildungswege wünschen. Genau hier setzt der Weiterbildungsverbund an: Er nimmt dem ärztlichen Nachwuchs die mühsame Suche nach einzelnen Weiterbildungsstationen ab und bietet stattdessen ein durchgängiges Ausbildungskonzept aus einer Hand – mit festen Rotationen, persönlicher Begleitung und einem starken regionalen Netzwerk.
Für die angehenden Fachärztinnen und Fachärzte für Allgemeinmedizin bedeutet das: Planungssicherheit, Qualität und die Chance, schon während der Weiterbildung Wurzeln in der Region zu schlagen. Für die Menschen im Landkreis Freising bedeutet es: eine hausärztliche Versorgung, die auch in Zukunft trägt.
Breites Spektrum, echte Wahlfreiheit
Ein besonderes Plus des Verbunds ist die außergewöhnliche fachliche Breite: Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung können im Rahmen ihrer Rotationen Erfahrungen in nahezu allen relevanten Fachgebieten sammeln – und damit genau das erwerben, was eine gute Hausärztin oder einen guten Hausarzt ausmacht: den Blick für den ganzen Menschen. Rotationsmöglichkeiten bestehen in folgenden Gebieten:
- Innere Medizin (Kardiologie, Gastroenterologie, Onkologie)
- Anästhesiologie
- Chirurgie (Orthopädie und Unfallchirurgie)
- Frauenheilkunde und Geburtshilfe
- Kinder- und Jugendmedizin
- Neurochirurgie
- Neurologie
- Notfallmedizin
- Psychiatrie und Psychotherapie
- Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
- Radiologie
- Urologie
Von der Kardiologie bis zur Kinder- und Jugendmedizin, von der Notfallversorgung im OP bis zur psychosomatischen Betreuung: Kaum ein anderer Weiterbildungsweg bietet ein derart vielseitiges Fundament für die spätere Tätigkeit in der eigenen Praxis.
Ein Verbund mit Geschichte – und eine Leiterin, die den Weg selbst gegangen ist
Dass die Weiterbildung im Verbund funktioniert, beweist niemand glaubwürdiger als Dr. Jessica Bungartz-Çatak selbst – eine der treibenden Kräfte hinter der Zertifizierung. Der Weiterbildungsverbund Freising zählt zu den ältesten seiner Art in Bayern, und seine Leiterin ist zugleich sein bestes Beispiel: Sie hat ihre eigene Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin im Verbund durchlaufen – unter anderem in verschiedenen Fachabteilungen des Klinikums Freising – und führt heute ihre eigene Hausarztpraxis in Freising. Genau diesen Weg möchte sie nun der nächsten Generation ebnen: von der Weiterbildung im Landkreis bis zur eigenen Praxis im Landkreis.
Zusammenarbeit als Erfolgsrezept
„Im Weiterbildungsverbund bündeln wir die Stärken unserer Region: die medizinische Exzellenz unseres Klinikums und der Hausarztpraxen vor Ort", so Klinikums-Geschäftsführerin Dipl.-Kffr. Maren Höntzsch. „Gemeinsam und auf Augenhöhe bilden wir den ärztlichen Nachwuchs aus, den unsere Region so dringend braucht. Diese herausragende Zusammenarbeit zahlt sich für alle aus: Junge Ärztinnen und Ärzte erhalten eine erstklassige Weiterbildung – und die Menschen im Landkreis behalten ihre wohnortnahe hausärztliche Versorgung. Denn wer die Versorgung von morgen sichern will, muss heute handeln. Genau das tun wir."
Ausblick
Mit der Zertifizierung ist der Grundstein gelegt. Nun geht es an die Umsetzung: Interessierte Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung finden alle Informationen zum Verbund, zu den Rotationsmöglichkeiten und zu freien Weiterbildungsstellen auf der Website des Weiterbildungsverbunds unter www.wbvfreising.de. Das Klinikum Freising und seine Partnerpraxen freuen sich auf motivierten Nachwuchs – und auf eine Zukunft, in der der Hausarztberuf in der Region wieder das ist, was er sein sollte: attraktiv, modern und unverzichtbar.