Viele Patientinnen und Patienten leiden an einem Delir
Montag 14. 10. 14. Okt 2024
Im Rahmen der diesjährigen "Freisinger Demenztage" lud das Klinikum Freising zu einem Diskussionsabend zum Thema Delir ein. Nach dem herzlichen Grußwort im Namen des Landkreises Freising durch die stellvertretende Landrätin Anita Meinelt, erläuterte zunächst Dr. Esra Pichler, Sektionsleitung Akutgeriatrie des Klinikums Freising, die Charakteristika eines Delirs. Dieses stellt eine akute, organisch bedingte und meist transiente Psychose mit einer tageszeitlich deutlich fluktuierenden Bewusstseinsstörung dar, die mit kognitiven Funktionsstörungen wie Desorientiertheit, Sprach- und Gedächtnisstörungen einhergeht. Vor allem überraschte sie die Zuhörenden mit der Aussage, wie hoch der prozentuale Anteil der Patientinnen und Patienten sei, die infolge einer Operation, aber auch aus diversen anderen Gründen ein Delir bekämen. Risikofaktoren seien insbesondere ein hohes Alter, das Geschlecht, Vorerkrankungen, Seh- und Hörstörungen, Sucht, Demenz und Polypharmazie. So seien in der Akutgeriatrie des Klinikums Freising im Durchschnitt 30 Prozent der Versorgten delirant. Was im Einzelnen ein Delir auslöse, hänge von einer Vielzahl von Faktoren ab, darunter eben Operationen, aber auch beispielsweise eine Dehydratation oder Schlafmangel. Auch seien Ausprägung und Dauer unterschiedlich. „Im schlimmsten Fall kann ein Delir mehrere Wochen anhalten“, so Dr. Pichler.
Betroffene möglichst schonend behandeln
Im Stationsalltag müssen Betroffene sehr schonend behandelt werden, um auslösende Faktoren zu vermeiden. „Sie brauchen eine ruhige und friedliche Atmosphäre um sich“, erzählte Waltraud Allebrodt, Gerontopsychiatrische Fachkraft des Klinikums Freising. Wichtig sei zum Beispiel, dass Betroffenen immer ihre Hör- und Sehhilfen tragen, da dies ihre Orientierung und Kommunikation erleichtere und Ängste und Stress vermeiden helfe. Angehörige könnten in dieser Situation Beistand leisten, indem sie durch ihre Präsenz den Betroffenen ein Stück weit Normalität geben. Hilfreich seien auch das Mitbringen vertrauter Gegenstände, das persönliche Gespräch, das Einhalten des aktuellen Medikationsplans, eine Tag- und Nachtorientierung, genügend Flüssigkeit, körperliche Zuwendung und einfache Aktivitäten und Beschäftigungen.
Akutgeratrie nicht für alle Erkrankten konzipiert
Allerdings ist ein Aufenthalt in einer Akutgeriatrie immer zeitlich begrenzt. Das vorrangige Ziel ist es, die Alltagsfähigkeit und Selbstständigkeit älterer Patientinnen und Patienten zeitnah durch medizinische und therapeutische Maßnahmen zu erhalten, ihre Lebensqualität zu verbessern und Pflegebedürftigkeit zu verhindern. "Für gewöhnlich liegen Patientinnen und Patienten zwei Wochen bei uns", so Dr. Pichler. Die Abteilung könne daher weder schwer demente Menschen aufnehmen noch eine Langzeitversorgung übernehmen. Ist eine Weiterversorgung über den Aufenthalt hinaus notwendig, muss die Patientenberatung des Klinikums einen Platz in einer Reha-Einrichtung oder in der Kurzzeitpflege organisieren. Das sei leider sehr schwer geworden, bedauerte Stefanie Seidel, Leitung der Patientenberatung des Klinikums Freising. "Es kommt vermehrt vor, dass Patientinnen und Patienten aufgrund der vielen gestellten Reha-Anträge nicht aufgenommen werden können oder die Kliniken sie ablehnen."