Krebs – wenn die Zellen nicht zusammenarbeiten

Freitag 8. 11. 8. Nov 2019

„Bei Krebs ist das kontrollierte Zusammenleben der Zellen in einem Organ verloren gegangen. Die betroffenen Zellen arbeiten nicht mehr korrekt mit den gesunden Zellen zusammen", umschrieb Dr. Christoph von Schilling die Situation bei einer Erkrankung. Zwar sind auch eine Veranlagung oder Umwelteinflüsse wie das Rauchen Ursachen für Krebs, doch ist es in den meisten Fällen reiner Zufall: Jeden Tag teilen sich rund 50.000 Zellen im Körper eines Erwachsenen. Dabei treten gelegentlich Fehler auf, die an sich noch nicht gefährlich sind. Entscheidend scheint vielmehr zu sein, an welcher Stelle in der DNA sie auftreten und ob der Körper die veränderten Zellen aussortiert oder nicht. Zudem weiß man heute, dass von allen Krebszellen offenbar nur einige, wenige die Erkrankung verbreiten.

Krebszellen einfangen statt zerstören

Setzte man lange auf die Chemotherapie, um die Entstehung von Krebszellen generell zu stoppen, zielt die Therapie bei vielen Krebsarten heute auch auf ein gezieltes „Einfangen" oder „Einhegen" dieser bösartigen Zellen. Dies setzt ein breites Verständnis für die komplexe Funktionsweise von Zellen voraus, das in den vergangenen Jahren enorm gewachsen ist, berichtete Dr. von Schilling. Die Kunst bei der Therapie bestehe aber weiterhin darin, die möglichen Faktoren/Auslöser individuell und nach Krebsart zu erkennen und so zu gewichten, dass der Patient effektiv behandelt wird. Ein aktuell erforschter Ansatz sei etwa, das Immunsystem für die Bekämpfung mancher Krebsarten zu stimulieren. Auch hier kann es allerdings zu ernsten Nebenwirkungen kommen.

Forschungsnetzwerk für Krebstherapie

Insgesamt sei in den letzten Jahren die Forschung rasant vorangeschritten und es kämen laufend neu- und weiterentwickelte Medikamente auf den Markt. Positiv sei auch, dass Forschung und Fachärzte sich besser vernetzen würden. So haben sich 15 universitäre Krebszentren in Deutschland im „nationalen Netzwerk Genomische Medizin (nNGM) Lungenkrebs" zusammengeschlossen, um schwer kranken Patienten Zugang zu modernster molekularer Diagnostik und neuesten Therapien bei dieser Erkrankung, auch im Rahmen klinischer Studien, zu ermöglichen. „Bei allen medizinischen Fortschritten wird es aber auch künftig ein ständiger Kampf bleiben, das Wesen und die Vermehrung von Krebszellen zu verstehen".

Die Veranstaltungsreihe „Gesundheit aktuell" in Kooperation mit der VHS Moosburg und richtet sich an alle interessierten Personen. Alle Vorträge werden gut verständlich aufbereitet - der Zuhörer muss kein medizinisches Fachwörterbuch mitbringen. Die Vortragsreihe findet in der Aula der VHS Moosburg statt und ist kostenfrei.