Die Anästhesie befasst sich mit der kontrollierten Ausschaltung des Schmerzes. Damit ist sie die Grundlage zur Durchführung von Operationen und hilft bei der Therapie von Schmerzleiden. Zur zentralen Aufgabe gehört die Versorgung der Patienten von der Narkosevorbereitung über die Operation bis zur postoperativen Intensivmedizin und Schmerztherapie. Neben der Allgemeinanästhesie („Vollnarkose") stehen am Klinikum Freising sämtliche modernen Verfahren der Regionalanästhesie („Teilnarkosen") zur Verfügung.
Die Auswahl des geeigneten Anästhesieverfahrens erfolgt im Rahmen der Narkosevoruntersuchung gemeinsam mit dem Patienten. Vor jeder Anästhesie erfolgt ein ausführliches persönliches Gespräch. Neben der Befragung zu Vorerkrankungen, bestehender Medikation, bereits erfolgten Narkosen und eventuell aufgetretenen Komplikationen wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Vor- und Nachteile, mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen der jeweiligen Narkoseform werden erläutert und Verhaltensregeln für die Zeit vor und nach der Operation gegeben. Der Patient hat die Möglichkeit, Fragen zu stellen und so mögliche Ängste abzubauen.
Allgemeinanästhesie
Tatsächlich bedeutet eine Vollnarkose für den Patienten den vorübergehenden Verlust aller bewussten Sinne, eine mehr oder weniger tiefe Bewusstlosigkeit ohne Schmerzempfinden und auch ohne Erinnerung.
Die drei Komponenten der Narkose (Schlaf, Schmerzfreiheit und Muskelentspannung) lassen sich im Sinne ihres Wirkungsortes klar voneinander trennen. Die Ausschaltung des Bewusst
seins ist an die Beeinflussung höherer Gehirnstrukturen gebunden, die Schmerzausschaltung erfolgt durch die Blockierung spezieller Rezeptoren und die Muskelerschlaffung ("Relaxation") unterbricht die Erregungsübertragung an der Nerven-Muskel-Schnittstelle.
Zur Allgemeinanästhesie werden ausschließlich hoch potente, sehr kurz wirksame und dadurch gut steuerbare Narkosemittel angewandt, die nach Ende der Operation ein rasches Erwachen ermöglichen und eine vergleichsweise geringe Belastung des Organismus verursachen. Zur Überwachung der Narkosetiefe und optimalen Narkoseführung können die Veränderungen der Hirnströme des Patienten in Abhängigkeit von der Narkosetiefe kontinuierlich gemessen werden. Ein vorzeitiges Aufwachen aus der Narkose ist durch diese Methode nahezu ausgeschlossen.
Regionalanästhesie (Teilnarkose)
Die Regionalanästhesie hat am Klinikum Freising einen sehr hohen Stellenwert. Zum einen ist sie wegen des geringeren Einsatzes von Wirkstoffen schonender für den Patienten, zum anderen bietet sie bessere Möglichkeiten in der postoperativen Schmerzbehandlung. Durch die Planung und Vorbereitung bestimmter Verfahren der Regionalanästhesie im Vorfeld der Operation können Schmerzen nach dem Eingriff vermieden werden. Dies ist besonders bei solchen Operationen wichtig, die starke Schmerzen nach sich ziehen (wie z.B. die Implantation von Kniegelenksendoprothesen).
Für ausgedehnte Eingriffe in der Thorax- und Abdominalchirurgie ist es vielfach von Vorteil, die Allgemeinanästhesie mit einer rückenmarksnahen Regionalanästhesie zu kombinieren. Dadurch kann man die für die Vollnarkose notwendigen Medikamente niedriger dosieren und gleichzeitig Schmerzen nach der Operation bekämpfen. Dies ermöglicht es, nach großen Eingriffen früher mit Bewegungsübungen zu beginnen und so die Genesung zu beschleunigen. Vor allem bei Patienten mit erheblichen Vorerkrankungen des Herzkreislaufsystems und der Lunge kann auf diese Weise das perioperative Risiko signifikant verringert werden.
Um diese individuelle und lückenlose Schmerzbehandlung zu ermöglichen, verfügt die Anästhesieabteilung über einen ärztlichen Akutschmerzdienst, der rund um die Uhr verfügbar ist.
Für unsere Patientinnen in der Geburtshilfe besteht Tag und Nacht die Möglichkeit, kurzfristig eine Periduralanästhesie (PDA) zu erhalten. Dabei wird über einen Katheter ein Lokalanästhetikum in den Epiduralraum gespritzt. Das Schmerzempfinden vermindert sich bereits nach 15 bis 20 Minuten. Lässt die Wirkung des Mittels nach, kann jederzeit nachdosiert werden. Wird ein Kaiserschnitt erforderlich, kann dieser meist ohne zusätzliche Vollnarkose durchgeführt werden.
Geplante Kaiserschnittentbindungen werden wegen des erheblich geringeren Risikos für Mutter und Kind in der Regel ebenfalls in Regionalanästhesie durchgeführt. Am häufigsten kommt dabei eine etwas modifizierte Spinalanästhesie zur Anwendung, die neben der Schmerzfreiheit während der Operation eine möglichst rasche Wiederkehr der Bewegungsfähigkeit der Beine ermöglicht.
Schmerztherapie
Schmerz dient als Warnsymptom, das die Aufmerksamkeit auf die verletzte Stelle richtet, damit weitere Schäden vermieden bzw. schützende Maßnahmen ergriffen werden. Allerdings kann der Schmerz solche Ausmaße annehmen, dass es zu einer schweren Belastung des Organismus kommt. Auf diese Weise können unzureichend behandelte Schmerzen zu teilweise gravierenden Folgeerkrankungen führen.
Um sinnlose Schmerzen zu vermeiden bzw. sie zu beseitigen, unterhalten die Anästhesieärzte einen Akutschmerzdienst und eine Schmerzambulanz.
Intensivmedizin
Auf der Intensivstation werden Patienten mit bedrohlichem oder potentiell bedrohlichem Zustand medizinisch überwacht und behandelt. Dazu gehören Patienten mit schweren Krankheiten ebenso wie Patienten nach schweren, lange andauernden Operationen. Um die optimale Behandlung zu gewährleisten, kommt rund um die Uhr ein umfangreiches Spektrum an diagnostischen Methoden sowie Überwachungs- und Therapieverfahren zur Anwendung. Informationen für Angehörige von Patienten der Intensivstation finden Sie in untenstehendem pdf.
Notfallmedizin
Die Durchführung von Wiederbelebungsmaßnahmen und die Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Funktionen von Patienten und Unfallopfern ist Kernkompetenz der Anästhesiologie.
Die Abteilung für Anästhesiologie stellt ganzjährig und rund um die Uhr die Notärzte für den Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes in Freising zur Verfügung. Zusammen mit den Rettungssanitätern und einem modernen, leistungsfähigen Krankenhaus gewährleisten sie die schnellstmögliche Hilfe in Notfallsituationen.
Transfusionsmedizin
Starker Blutverlust, wie er z.B. durch Verletzungen oder im Rahmen von Operationen vorkommen kann, muss durch eine Transfusion ausgeglichen werden.
Der Chefarzt für Anästhesiologie sorgt als Transfusionsverantwortlicher des Klinikums für die qualitätsgesicherte Bereitstellung der Blutprodukte, ist konsiliarisch bei der Behandlung der Patienten mit Blutprodukten tätig und leitet die Transfusionskommission. Er sorgt für die Einhaltung der einschlägigen Gesetze, Verordnungen, Richtlinien, Leitlinien und Empfehlungen der Transfusionsmedizin.
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| Angehörige von Intensivpatienten.pdf | 209.65 KB |